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St. Josef
Altdorf | |||
Abt
Franz Pfanner, Gründer von Mariannhill, stellte alle seine Werke unter
den Schutz des hl. Josef. Dieser sparte wahrlich nicht mit seinem Segen.
Die Mission blühte wunderbar auf, so dass dem Heiligen immer mehr Gründungen
anvertraut werden konnten. In der Schweiz allerdings musste er sich
gedulden. Im kleinen Heiligtum ob Altdorf, 1902 zu seinen Ehren erbaut,
wartete der hl. Josef ein Vierteljahrhundert lang auf die Mariannhiller.
Er musste viele Kräfte einspannen, um sie dahin zu bringen.
Eine
einfache Vertretung Mariannhills war ab 1887 in Rorschach. 1906 verlegte
Br. Goar diesen Stützpunkt ins Herz der Schweiz. Pfarrhelfer Franz Xaver
Käppeler von Attinghausen stellte ihm gastfreundlich in seinem grossen
Haus die nötigen Räume zur Verfügung. Der Name Mariannhills blieb nur
vier Jahre lang mit dem Freiherrendorf verknüpft. Br. Sigisbert Jäger
verlegte 1910 die Vertretung ins Elternhaus seines Mitbruders Frater
Gallus Gisler an der Schmiedgasse in Altdorf, wo sie bis 1920 blieb. Nun wünschte
die Generalleitung ein Heim für Missionsstudenten in der Schweiz. Ein günstiges
Grundstück fand sich bald. Dr Antonius Gisler aus Bürglen UR, Regens im
Priesterseminar zu Chur und späterer Weihbischof, machte seinen
ehemaligen Schüler P. Meinrad Bechtiger auf die sogenannte
"Hofstatt" in Altdorf aufmerksam, die zusammen mit der
Josefskapelle im Besitz der Geschwister Huser war. Die dortige Mühle war
im Weltkrieg mangels Getreide stehen geblieben. Die ruhige Lage nahe beim
Kollegium Karl Borromäus war das, was die Mariannhiller suchten. Doch der
schöne Plan scheiterte am Platzmangel im Kollegi. Die Suche musste
weitergehen.
Nach
einem missglückten Experiment in Gersau richtete man das Augenmerk wieder
auf Altdorf. Am 02.09.1927 besuchte P. Meinrad Bechtiger mit P. Walter
Koch die Geschwister Huser, um über den Verkauf ihres Anwesens zu
verhandeln. Am 03.09. traf man sich vor Herrn Notar Walker, um den Vertrag
zu erstellen. Es war am selben Tag, an dem in Würzburg P.
Generalsusperior in aller Stille den Grundstein zum Piusseminar legte.
Noch stand die Abklärung einer wesentlichen Vorbedingung aus. Am 06.09.
wanderten die beiden Patres mit gemischten Gefühlen zum Kollegium Karl
Borromäus, dessen Raumverhältnisse sich nicht gebessert hatten. Sie
erreichten eine mit Einschränkungen garnierte Zusage. Sie und eine schöne
Portion Gottvertrauen ermöglichten den Abschluss des Kaufvertrages am
09.09.27 um 11.15 Uhr. Hektische Geschäftigkeit war vorausgegangen. Die
Patres hatten kein Geld. Die Kantonalbank streckte die vereinbarte
Anzahlung von Fr. 20’000.-- nicht vor. P.Meinrad konnte diese auf Fr.
1’000.-- drücken. Der Rest war innerhalb von zwei Wochen nachzuliefern.
Aber wo die Fr. 1’000.- nehmen? In der Vertretung an der Bahnhofstrasse
liessen sich nur Fr. 500.-- zusammenkratzen. Ratsherr Gisler steuerte hilfreich
weitere 500.-- bei, so dass der feierliche Akt vor sich gehen konnte.
Mttwoch,
19.10.27 zog die Vertretung aus der Mietwohnung bei Werders hinauf in die
“Hofstatt”. Am 20.l0. feierte P. Walter Koch als erster Mariannhiller
im Beisein dreier Brüder die hl. Messe in der Josefskapelle. Damit
ergriffen sie feierlich Besitz vom Haus des hl. Josef, der sich darüber
ebenso freute wie sie. “Auf seine Fürbitte gebe uns Gott seinen Segen;
er segne alle, die je in diesem Hause wohnen, arbeiten, studieren, er
segne auch alle seine Wohltäter!”, schrieb P. Koch in die Hauschronik.
P.
Meinrad Bechtiger eröffnete die Schule im Frühjahr 1933. Die obersten
zwei Klassen besuchten das KKB, um die eidgenössische Matura zu erlangen.
Erneuter Platzmangel am Kollegi führte dazu, dass St. Josef 1961 die
kantonale Matura bekam. 1966 wurde die Schule auch für Mädchen geöffnet
und 1972 mit dem Kollegium Karl Borromäus vereinigt. Das Internat bestand
bis 1995. Seine Räumlichkeiten sind heute grösstenteils vermietet. Wir
Mariannhiller stehen weiterhin unter dem Schutz des hl.Josef
im Dienst der Mission mit ihren mannigfaltigen Aufgaben.
Pater Anton Roos